Food Tracking: Diese 3 Fehler solltest du vermeiden

Food Tracking im Sport
Trackst du schon oder genießt du noch? Essen nach Zahlen macht auf Dauer wenig Freude. Doch kann es hin und wieder sehr sinnvoll sein, sich die Nährstoffzufuhr in Zahlen anzuschauen. Und da wird's sportlich. Was kann eine Food Tracking App dabei leisten? Wo sind ihre Grenzen? Spannende Fragen.

Inhalt

Vielleicht hast du Apps wie YAZIO, LifeSum, MyFitnessPal, FatSecret, Fddb Extender, Ernährungstagebuch deluxe oder andere Kalorienzähler schon einmal genutzt. Zumindest werden diese kleinen Programme immer beliebter und die Anzahl der User steigt stetig an. Nachvollziehbar. Denn praktisch ist’s allemal, mit Hilfe einer App sozusagen ganz nebenbei alles zu erfassen, was du täglich isst und trinkst. Flott ausgewertet sind die Daten außerdem. Hört sich super an. Doch schauen wir einmal genauer hin.

Für wen Food Tracking Apps nützlich sind

Besonders beliebt und gleichzeitig hilfreich sind Apps zum Kalorienzählen dann, wenn das Körpergewicht gehalten werden soll und eine stete Kontrolle der täglichen Energiezufuhr begleitend umgesetzt wird. Für jene, die Körperfett reduzieren wollen, sind Food Tracker ein attraktives Werkzeug. So kann überprüft werden, welche der energieliefenden Nährstoffe wie Kohlenhydrate, Protein, Fett und Alkohol in welcher Menge täglich aufgenommen werden.

Auch Sportler zählen zu den Usern. Häufig nachgefragt werden Food Tracker dann, wenn Muskelmasse aufgebaut werden soll. In diesen Fällen spielen u. a. diese Fragen eine Rolle: Decke ich meinen Energiebedarf? Passt die Proteinzufuhr zu meinem Ziel? Auch für Ausdauersportler und Spielsportler können Nutrition Apps hilfreich sein. Dann sind diese Apsekte interessant: Nehme ich genügend Kohlenhydrate zu mir, weil ich in der direkten Vorbereitung auf einen Wettkampf mit längerer Belastungsdauer stecke? Trinke ich ausreichend? Antworten auf Fragen zur Versorgung mit Makronährstoffen können Food Tracker jedoch nur bei sachgemäßer Anwendung geben.

Was Food Tracker leisten können

Damit eine Food Tracking App den täglichen Energiebedarf berechnen kann, müssen Anwender in der Regel gleich zu Beginn der Nutzung einige Daten eingeben: Geschlecht, Biometrie (Körpergewicht, Körpergröße) und meist Angaben zur körperlichen Aktivität. Nur noch schnell das Ziel definieren, fertig. Besonders gern werden Apps zum Erfassen des Essverhaltens dann genutzt, wenn das Körpergewicht mindestens beobachtet oder reduziert werden soll. Die Grundidee dabei ist, einen individuellen Überblick zur täglichen Energiezufuhr zu bekommen. Schließlich erhalten die Nutzer in Windeseile eine Auswertung zu ihren gesammelten Daten. Ein Klick genügt.

Doch ist’s wirklich so leicht möglich, aussagekräftige Daten zu erhalten? Meiner Erfahrung nach warten mehrere Stolpersteine im Umgang mit diesen Apps. Denn nur eine sachgemäße Anwendung führt zu plausiblen Ergebnissen.

Kommen wir nun zu drei Fehlern, die Nutzern von Nutrition Apps bzw. Food Trackern oder von Kalorienzählern meiner Erfahrung nach schnell passieren können.

Fehler #1: Falsch kalkulierte Energiezufuhr

Jede App nutzt bestimmte Formeln zur Berechnung des Energiebedarfs. Häufig soll hierfür das aktuelle Körpergewicht eingetragen werden. Soweit so gut, schließlich ist ja bekannt, dass der Energiebedarf in Abhängigkeit vom Körpergewicht berechnet wird. Doch zur ganzen Wahrheit gehört, dass dieser Plan lediglich bei Normalgewichtigen zu einem plausiblen Ergebnis bzgl. Gesamtenergiezufuhr führt.

Herausfordernder wird’s dann, wenn eine Gewichtsreduktion angezeigt ist. Denn wer abnehmen möchte, braucht bekanntlich eine negative Energiebilanz. Nur kennen die meistens Apps lediglich eine einzige Formel zur Berechnung des Energiebedarfs. Wird nun das Ist-Gewicht eingetragen und damit zum Berechnen des Energiebedarfs genutzt, erhält der User sozusagen eine Freikarte zum Schlemmen. Denn das Ergebnis zeigt die Energiemenge, die benötigt wird, um die bestehende Masse zu erhalten. Werden dann von dieser (viel) zu hohen Energiemenge ein paar hundert Kalorien eingespart, kann die tatsächlich aufgenommene Energiemenge immer noch über dem Niveau liegen, was zum Abnehmen nötig wäre.

Eine weitere Fehlerquelle ist die, dass von Food Trackern oder auch Fitness Apps häufig nur das pauschale Gewicht und nicht die Körperzusammensetzung bedacht werden. Doch genau diese Information ist besonders interessant, wenn ein Plus ein Körperfett vorhanden ist. Grund: Körperfettgewebe benötigt weniger Energie als Muskelgewebe. Was also tun? Entweder du nutzt eine andere Formel zur Berechnung des Energiebedarfs, wenn der Körperfettanteil erhöht ist. Oder du korrigierst die Angabe des Gesamtgewichts in deiner App.

Fehler #2: Lebensmittelauswahl unpassend

Inzwischen finden sich zwar mehr und mehr Lebensmittel in den Datenbanken von Food Tracking Apps. Dennoch kann es vorkommen, dass du etwas nicht entdecken kannst. Sportler suchen häufig vergeblich nach bestimmten Riegeln, Gels, Isotonischen Getränken oder Protein-Shakes. Denn nicht alle Gerichte, Snacks und Getränke sind in Datenbanken hinterlegt.

Dann heißt es, ein vergleichbares Lebensmittel auszuwählen und stattdessen einzutragen. Das funktioniert natürlich nur, wenn du weißt, welche Lebensmittel tatsächlich miteinander vergleichbar sind. Wenn du dich mit der Zusammensetzung von Lebensmitteln nicht allzu gut auskennst, läufst du Gefahr, unklug auszuwählen. Dann würden schlimmstenfalls andere Nährstoffe gezählt, als du tatsächlich aufgenommen hast.

Fehler #3: Portionsgröße nicht korrekt

Wer immerzu schätzt, wie groß oder wie schwer seine Portion ist, läuft zwangsläufig Gefahr, sich zu verschätzen. Noch existiert keine App, die anhand eines Bildes berechnen kann, wie viel Gramm eines Lebensmittels auf dem fotografierten Teller liegen. Manche Apps fordern ihre Anwender auf, alle Lebensmittel in Gramm oder beispielsweise Liter einzutragen. Andere bieten ihren Usern küchenübliche Dosierhilfen an wie Stück, Esslöffel, Teelöffel, Tasse.

Während Ess- und Teelöffel in der Regel eine vergleichbare Größe besitzen, so sieht’s bei Stück und Tasse oder Glas anders aus. Hier solltest du genau prüfen, welche Menge hinter den genannten Angaben stehen. Nicht nur die Art des Lebensmittels sollten korrekt erfasst werden, auch die Portionsgröße. Wer abwiegen oder messen kann, sollte die Chance so oft es geht ergreifen. Denn Ergebnisse taugen nur dann zur fundierten Analyse, wenn sie aussagekräftig sind. Und das sind sie umso mehr, wenn so genau wie möglich erfasst wurde.

Körperliche Aktivität überbewertet

Einige Nutrition oder Fitness Apps arbeiten mit dem sog. PAL-Wert, um deine körperliche Aktivität bei der Berechnung deines täglichen Energiebedarfs mathematisch zu erfassen . Hinter den drei Buchstaben PAL verbirgt sich die Abkürzung der englischen Bezeichnung „Physical Activity Level“ – dem Maß an physischer Aktivität, sprich dem Maß an verrichteter Muskelarbeit.

Wenn du einem klassischen Bürojob nachgehst, ab und zu aufstehst, ein paar Schritte läufst, so genügt der Wert 1,3. Kommen 2-3 Zeitstunden an schweißtreibendem Training dazu, passt ein PAL von 1,4 besser. Nur wer entweder im Berufsalltag oder in seiner Freizeit deutlich mehr Muskelarbeit leistet, sollte einen höheren PAL-Wert auswählen. Je nach App kann es sogar sinnvoller sein, den Mehrbedarf an Energie durch Training bzw. Sport separat aufzuschlangen.

Was die Food Tracking App nicht leistet

Die Auswertung deines Speise- oder Ernährungsplans in Zahlen erledigt bekanntlich die App. Doch was ist damit anzufangen? Diese spannenden Fragen bleiben meist offen:

  • Welche Menge an Kohlenhydraten, Fett und Protein brauchst du tatsächlich, um dein individuell gestecktes Ziel zu erreichen?
  • Wie lässt sich die Qualität deiner zugeführten Kohlenhydrate, Fette und Proteine im Detail bewerten?
  • Woher stammen eigentlich die Referenzdaten, mit denen die App arbeitet?
  • Passt der von der App kalkulierte tägliche Energiebedarf zu deinem Ziel?
  • Woher kommen die für die Lebensmittel hinterlegten Daten in der Datenbank?
  • Werden alle Vitamine und Mineralstoffe in ausreichender Menge über die Lebensmittel aufgenommen?
  • Wie ist die Mahleitengestaltung zu bewerten?
  • ….

Gut zu wissen: Auswertungen zur Mikronährstoffzufuhr werden von (kostenfreien) Kalorienzählern in der Regel nicht oder nur vereinzelt vorgenommen. Konkrete Aussagen zu Art und Qualität der Kohlenhydratzufuhr oder zur Zusammensetzung der Fettsäuren bleiben außen vor. Wer wissen möchte, welche Aminosäuren in welcher Menge über die jeweiligen Lebensmittel zugeführt wurden, erhält auch keine Auskunft. Hier ist eine professionelle Software mit umfassender Lebensmitteldatenbank nötig, die in der Regel von Ernährungsfachkräften genutzt wird.

Fazit

Fitness Apps bzw. Food Tracking Apps sind sehr nützlich, wenn sie klug eingesetzt werden. Sie sind ein interessantes, praktisches und durchaus zeitsparendes Hilfsmittel zum Erfassen des Essverhaltens und zum Überschlagen deiner täglichen Energiebilanz. Damit stellen sie automatisch ein nützliches Tool dar, wenn das Körpergewicht überwacht, kontrolliert oder gehalten werden soll. Denn Energiezufuhr und Energieverbrauch spielen dabei immer eine wichtige Rolle. Doch wenn du aussagekräftige Ergebnisse erzielen möchtest, brauchst du ausreichend Grundwissen zu Lebensmitteln. Dann wird es dir definitiv viel besser gelingen, die klassischen Fehler zu vermeiden.

Wenn du vorher bereits ein klassisches Ernährungsprotokoll geführt hast und von einem Ernährungsexperten dabei begleitet wurdest, profitierst du von dieser Erfahrung. Dagegen verrät dir die Food Tracking App bzw. der Kalorienzähler leider nicht, was du konkret an deinem Essverhalten korrigieren oder optimieren solltest, um dein persönliches Ziel zu erreichen. An dieser Stelle gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder du kennst dich so gut aus, dass du’s selber leisten kannst oder du fragst schließlich einen Experten.

Über mich

Ich bin Julia Zichner, Diplom-Oecotrophologin und Expertin für Sporternährung.

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